// BPMN 2.0 · Prozessvisualisierung

Reifegradanalyse — Digitale Geschäftsprozesse visualisiert

Ein Prozess, drei BPMN-Sichten – als Kontrollfluss, als Nachrichtenabfolge, als Beziehungskarte – plus eine Systemlandkarte, die zeigt, was BPMN nicht kann. Zusammen ergeben sie, was eine einzelne Sicht nie könnte: den ganzen Check.

Ergänzung
Systemlandkarte
Ergänzt die BPMN-Sichten: welche Systeme existieren und wo Daten die Grenze nur per Hand überqueren.

Zum Modell: Das Bitkom-Reifegradmodell bewertet vier Dimensionen – Technologie, Daten, Qualität, Organisation – mit je drei Kriterien, jedes über zwei Fragen auf einer Skala von 1 („nicht digital“) bis 5 („vollständig digital“). Macht 24 Fragen je untersuchtem Prozess. Bewertet wird prozessbezogen, nicht organisationsweit; ein organisationsübergreifender Benchmark ist ausdrücklich nicht vorgesehen.

01

Prozessdiagramm

Der Kontrollfluss über die Zeit. Die Lane Handwerksbetrieb trägt Auftrag und Soll-Setzung; alles dazwischen liegt beim Berater. Die Schleife am Gateway durchläuft die zwölf Kriterien der vier Dimensionen.

StartereignisEndereignisAufgabeGateway (XOR)
Reifegrad-CheckBerater / AnalystHandwerksbetriebAnalyse-auftragProzess &Scope festlegenProzess-infos bereit-stellenIst-Prozessmodellieren(BPMN 2.0)Kriterium über2 Fragenbewerten (1–5)Alle 12 Kriterien?SpinnennetzvisualisierenSoll-Niveauje KriteriumfestlegenGap-Analyse,Handlungs-felderRoadmaperstellenRoadmapübergebenjanein — nächstes Kriterium

Reifegrad-Bezug: Der Task Ist-Prozess modellieren ist keine Formalie – er liefert die Bewertungsgrundlage für die Dimension Qualität. Die letzten Tasks (Gap, Roadmap) stehen bewusst außerhalb des Bitkom-Modells: Es endet beim Spinnennetz und liefert absichtlich keine Handlungsempfehlung. Was der Betrieb daraus macht, ist Beratungsleistung, nicht Modell.

02

Choreographiediagramm

Nur die Reihenfolge der Nachrichtenaustausche – ohne interne Schritte. Pro Task: die initiierende Seite hell, die empfangende Seite grau.

StartereignisEndereignisChoreographie-TaskinitiierendempfangendGateway
nein — nächstes der 12 KriterienjaHandwerksbetriebAnalysebeauftragenBeraterHandwerksbetriebProzessunterlagenanfordernBeraterIT-DienstleisterSystemauskunfteinholenBeraterHandwerksbetriebKriteriumabfragen (1–5)BeraterHandwerksbetriebReifegradprofilübergebenBeraterHandwerksbetriebSoll-NiveaufestlegenBerater

Reifegrad-Bezug: Die Choreographie macht sichtbar, wer die Analyse trägt. Beauftragung und Soll-Setzung werden vom Betrieb initiiert; alles dazwischen vom Berater. Kippt die Soll-Setzung auf die Beraterseite, wird aus der Standortbestimmung ein Verkaufsgespräch. Die Systemauskunft ist der Task, der in der Praxis am häufigsten fehlt.

03

Konversationsdiagramm

Jedes Sechseck bündelt alle Nachrichtenflüsse eines Themas. Der Handwerksbetrieb bleibt – wie in der Auftragsabwicklung – die Nabe: Er ist an jeder Konversation beteiligt.

Teilnehmer / PoolKonversationKonversationslink
Berater /AnalystHandwerks-betriebMitarbeiter /ProzessbeteiligteIT-Dienstleister /SoftwareanbieterHandwerks-kammerReifegrad-bewertungSystem- &DatenauskunftFörderung &Nachweis
KonversationTeilnehmerSpeist Dimension
ReifegradbewertungBerater, Handwerksbetrieb, MitarbeiterQualität und Organisation
System- & DatenauskunftHandwerksbetrieb, IT-DienstleisterTechnologie und Daten
Förderung & NachweisHandwerksbetrieb, Handwerkskammerkeine — außerhalb des Modells, aber Voraussetzung der Finanzierung

Hinweis zur Modellierung: Der Berater ist bewusst nicht die Nabe. Wer im Konversationsdiagramm im Zentrum steht, gilt als Eigentümer des Prozesses – und die Standortbestimmung gehört dem Betrieb.

Ergänzend zu BPMN

Systemlandkarte

Was BPMN nicht zeigen kann: welche Systeme existieren, wie sie verbunden sind und wo Daten die Grenze nur per Hand überqueren. Beispiel: Schreinerei mit 10 Mitarbeitern, digitales Aufmaß bereits im Einsatz.

führendes SystemSystem / Werkzeugdigitale SchnittstelleMedienbruch
KUNDE & AUFTRAGARBEITSVORBEREITUNG & FERTIGUNGEXTERNE PARTNERAnfrage abtippenDXF / 3D-ExportStückliste abtippenStunden abtippenBestellung per Mail / TelefonRechnungs-PDF per MailE-Mail · TelefonKundenanfragen, WhatsAppAufmaß-AppTablet, digitales AufmaßHandwerkersoftware (ERP)Angebot · Auftrag · RechnungCloud-AblageBelege, GoBD-ArchivCAD / CAMKorpusplanung, NestingCNC-MaschinePlattenaufteilungZeiterfassungStundenzettel, PapierLieferantenportalHolz, BeschlägeSteuerberaterDATEV, Buchhaltung
DimensionKriteriumBefundStufe
TechnologieTechnologiebasisERP, CAD/CAM, CNC, Aufmaß-App vorhanden – überdurchschnittlich4
Tools im ProzessAufmaß digital, Zeiterfassung auf Papier3
SystemintegrationNur Aufmaß→CAD→CNC durchgängig; ERP an vier manuellen Übergängen2
DatenDatenerhebungMaße digital, Stunden nicht3
DatenbereitstellungDaten digital, aber nicht dort, wo gebraucht – Abtippen bleibt2
DatenverwendungKeine Nachkalkulation, da Ist-Stunden nicht auftragsbezogen im ERP1

Investitionspriorität aus dem Bild: Nicht beliebig in neue Software investieren, sondern gezielt in die Schnittstelle, die den meisten Hebel hat. Das ist hier die Integration Aufmaß-App ↔ ERP: Sie behebt den teuersten Medienbruch – weil heute jedes Angebot von Hand abgetippt wird – und schafft damit die Grundlage für alle nachgelagerten Automatisierungen (CAD, CNC, Kalkulation). Diese eine Investition hebt gleich drei Reifegrad-Kriterien (Technologie, Daten, Integration) und macht damit den größten Digitalisierungssprung pro Euro möglich. Alles andere folgt daraus.

Ausbaustufe

Schnittstelle Aufmaß-App ↔ ERP realisiert

Gleiches Beispiel, eine Investition umgesetzt: Die Aufmaß-App übergibt Maße und Positionen jetzt direkt an die Handwerkersoftware. Der teuerste Medienbruch verschwindet aus dem Bild – alle übrigen Systeme und Übergänge bleiben unverändert.

KUNDE & AUFTRAGARBEITSVORBEREITUNG & FERTIGUNGEXTERNE PARTNERAnfrage abtippenAPIDXF / 3D-ExportStückliste abtippenStunden abtippenBestellung per Mail / TelefonRechnungs-PDF per MailE-Mail · TelefonKundenanfragen, WhatsAppAufmaß-AppTablet, digitales AufmaßHandwerkersoftware (ERP)Angebot · Auftrag · RechnungCloud-AblageBelege, GoBD-ArchivCAD / CAMKorpusplanung, NestingCNC-MaschinePlattenaufteilungZeiterfassungStundenzettel, PapierLieferantenportalHolz, BeschlägeSteuerberaterDATEV, Buchhaltung
DimensionKriteriumheuteAusbauWas sich ändert
TechnologieTechnologiebasis44unverändert – die Systeme waren bereits vorhanden
Tools im Prozess33unverändert – Zeiterfassung weiterhin auf Papier
Systemintegration23▲ +1ERP wird direkt aus dem Aufmaß gespeist; manuell bleiben Anfrage, Stückliste und Stunden
DatenDatenerhebung33unverändert – Ist-Stunden werden weiterhin nicht digital erfasst
Datenbereitstellung24▲ +2Maße und Positionen stehen im Angebot bereit, wo sie gebraucht werden – das Abtippen entfällt
Datenverwendung12▲ +1Angebotskalkulation rechnet auf digitalen Aufmaßdaten; Nachkalkulation braucht weiterhin Ist-Stunden

Wirkung in der Bewertung: Eine einzige Schnittstelle hebt drei der sechs Kriterien: Die Datenbereitstellung springt von 2 auf 4, Systemintegration und Datenverwendung steigen je eine Stufe. Zugleich zeigt die Karte den nächsten Engpass – die papierbasierte Zeiterfassung hält Datenerhebung und Nachkalkulation weiter zurück. So entsteht aus der Analyse eine Roadmap: jede Investition messbar am Reifegradprofil.

Wo steht Ihr Betrieb heute?

Der Reifegrad-Check ist der erste Schritt zu Ihrer Digitalstrategie – strukturiert, nachvollziehbar und ohne Fachchinesisch. Lassen Sie uns Ihre Prozesse gemeinsam sichtbar machen.