Reifegradanalyse — Digitale Geschäftsprozesse visualisiert
Ein Prozess, drei BPMN-Sichten – als Kontrollfluss, als Nachrichtenabfolge, als Beziehungskarte – plus eine Systemlandkarte, die zeigt, was BPMN nicht kann. Zusammen ergeben sie, was eine einzelne Sicht nie könnte: den ganzen Check.
Zum Modell: Das Bitkom-Reifegradmodell bewertet vier Dimensionen – Technologie, Daten, Qualität, Organisation – mit je drei Kriterien, jedes über zwei Fragen auf einer Skala von 1 („nicht digital“) bis 5 („vollständig digital“). Macht 24 Fragen je untersuchtem Prozess. Bewertet wird prozessbezogen, nicht organisationsweit; ein organisationsübergreifender Benchmark ist ausdrücklich nicht vorgesehen.
Prozessdiagramm
Der Kontrollfluss über die Zeit. Die Lane Handwerksbetrieb trägt Auftrag und Soll-Setzung; alles dazwischen liegt beim Berater. Die Schleife am Gateway durchläuft die zwölf Kriterien der vier Dimensionen.
Reifegrad-Bezug: Der Task Ist-Prozess modellieren ist keine Formalie – er liefert die Bewertungsgrundlage für die Dimension Qualität. Die letzten Tasks (Gap, Roadmap) stehen bewusst außerhalb des Bitkom-Modells: Es endet beim Spinnennetz und liefert absichtlich keine Handlungsempfehlung. Was der Betrieb daraus macht, ist Beratungsleistung, nicht Modell.
Choreographiediagramm
Nur die Reihenfolge der Nachrichtenaustausche – ohne interne Schritte. Pro Task: die initiierende Seite hell, die empfangende Seite grau.
Reifegrad-Bezug: Die Choreographie macht sichtbar, wer die Analyse trägt. Beauftragung und Soll-Setzung werden vom Betrieb initiiert; alles dazwischen vom Berater. Kippt die Soll-Setzung auf die Beraterseite, wird aus der Standortbestimmung ein Verkaufsgespräch. Die Systemauskunft ist der Task, der in der Praxis am häufigsten fehlt.
Konversationsdiagramm
Jedes Sechseck bündelt alle Nachrichtenflüsse eines Themas. Der Handwerksbetrieb bleibt – wie in der Auftragsabwicklung – die Nabe: Er ist an jeder Konversation beteiligt.
| Konversation | Teilnehmer | Speist Dimension |
|---|---|---|
| Reifegradbewertung | Berater, Handwerksbetrieb, Mitarbeiter | Qualität und Organisation |
| System- & Datenauskunft | Handwerksbetrieb, IT-Dienstleister | Technologie und Daten |
| Förderung & Nachweis | Handwerksbetrieb, Handwerkskammer | keine — außerhalb des Modells, aber Voraussetzung der Finanzierung |
Hinweis zur Modellierung: Der Berater ist bewusst nicht die Nabe. Wer im Konversationsdiagramm im Zentrum steht, gilt als Eigentümer des Prozesses – und die Standortbestimmung gehört dem Betrieb.
Systemlandkarte
Was BPMN nicht zeigen kann: welche Systeme existieren, wie sie verbunden sind und wo Daten die Grenze nur per Hand überqueren. Beispiel: Schreinerei mit 10 Mitarbeitern, digitales Aufmaß bereits im Einsatz.
| Dimension | Kriterium | Befund | Stufe |
|---|---|---|---|
| Technologie | Technologiebasis | ERP, CAD/CAM, CNC, Aufmaß-App vorhanden – überdurchschnittlich | 4 |
| Tools im Prozess | Aufmaß digital, Zeiterfassung auf Papier | 3 | |
| Systemintegration | Nur Aufmaß→CAD→CNC durchgängig; ERP an vier manuellen Übergängen | 2 | |
| Daten | Datenerhebung | Maße digital, Stunden nicht | 3 |
| Datenbereitstellung | Daten digital, aber nicht dort, wo gebraucht – Abtippen bleibt | 2 | |
| Datenverwendung | Keine Nachkalkulation, da Ist-Stunden nicht auftragsbezogen im ERP | 1 |
Investitionspriorität aus dem Bild: Nicht beliebig in neue Software investieren, sondern gezielt in die Schnittstelle, die den meisten Hebel hat. Das ist hier die Integration Aufmaß-App ↔ ERP: Sie behebt den teuersten Medienbruch – weil heute jedes Angebot von Hand abgetippt wird – und schafft damit die Grundlage für alle nachgelagerten Automatisierungen (CAD, CNC, Kalkulation). Diese eine Investition hebt gleich drei Reifegrad-Kriterien (Technologie, Daten, Integration) und macht damit den größten Digitalisierungssprung pro Euro möglich. Alles andere folgt daraus.
Schnittstelle Aufmaß-App ↔ ERP realisiert
Gleiches Beispiel, eine Investition umgesetzt: Die Aufmaß-App übergibt Maße und Positionen jetzt direkt an die Handwerkersoftware. Der teuerste Medienbruch verschwindet aus dem Bild – alle übrigen Systeme und Übergänge bleiben unverändert.
| Dimension | Kriterium | heute | Ausbau | Was sich ändert |
|---|---|---|---|---|
| Technologie | Technologiebasis | 4 | 4 | unverändert – die Systeme waren bereits vorhanden |
| Tools im Prozess | 3 | 3 | unverändert – Zeiterfassung weiterhin auf Papier | |
| Systemintegration | 2 | 3▲ +1 | ERP wird direkt aus dem Aufmaß gespeist; manuell bleiben Anfrage, Stückliste und Stunden | |
| Daten | Datenerhebung | 3 | 3 | unverändert – Ist-Stunden werden weiterhin nicht digital erfasst |
| Datenbereitstellung | 2 | 4▲ +2 | Maße und Positionen stehen im Angebot bereit, wo sie gebraucht werden – das Abtippen entfällt | |
| Datenverwendung | 1 | 2▲ +1 | Angebotskalkulation rechnet auf digitalen Aufmaßdaten; Nachkalkulation braucht weiterhin Ist-Stunden |
Wirkung in der Bewertung: Eine einzige Schnittstelle hebt drei der sechs Kriterien: Die Datenbereitstellung springt von 2 auf 4, Systemintegration und Datenverwendung steigen je eine Stufe. Zugleich zeigt die Karte den nächsten Engpass – die papierbasierte Zeiterfassung hält Datenerhebung und Nachkalkulation weiter zurück. So entsteht aus der Analyse eine Roadmap: jede Investition messbar am Reifegradprofil.
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